Monday, September 19, 2005

habe die EHRE

soeben ein schönes bon-mont beim lawblog gefunden:

DANEBEN, MAL WIEDER

Ich warte eigentlich auf Suizidmeldungen. Oder haben Demoskopen gar kein Ehrgefühl?

3 comments:

Bhaskar said...

aber ist es nicht völlig unfair den demoskopen die schuld in die schuhe schieben zu wollen? immerhin haben sie ihren job gemacht. sie haben die trends eingefangen, haben richtig vorhergesagt, daß die spd gerade im aufwind ist etc. genau wie die spd hätten sie wohl noch eine woche gebraucht, um auch auf der zielgeraden die richtigen ergebnisse hinzubekommen.

viel schlimmer war doch eher die falsche sicherheit in der sich die cdu gewogen hat und deshalb auf der zielgerade ein wenig geschludert hat.

bart ab said...

nun denn, also ... demoskopie und wahlforschung hat schon immer etwas mit magie zu tun ... die sonntagsfrage ist so das unvalideste und unreliabelste was es so gibt. ihre guten ergebnisse bekommen bzw. bekamen die wahlforscher nur aufgrund von erfahrungswerten hin, d.h. die fragen zwar immer wieder leute was sie nächsten sonntag wählen würden, aber eigentlich beziehen sie sich massiv auf alte wahlergebnisse und andere hintergrundinformationen (z.b. wenn ein selbständiger unternehmer sagt, er würde spd wählen wollen, wird diese aussage einfach niedriger gewichtet, als bei einem abhängigen beschäftigten, in bayern niedriger als in nrw und so weiter und sofort (dabei haben die einfach die alten ergebnisse ausgewertet und gewichte für bestimmte gruppen errechnet, d.h. wahrscheinlichkeiten, dass die wirklich so wählen). dazu kommt die recht hohe fehlertoleranz, d.h. je nachdem wie viele menschen man befragt, schwankt die genauigkeit der befragung. bei der letzten wahl habe ich gelesen, lag diese fehlertoleranz (standardfehler, wenn ich mich nicht irre) bei 5%-Punkten, bei einer 95% Genauigkeit, d.h. eine partei wird mit 30% geschätzt, dann liegt im rahmen von +/- 2,5% bei 95%iger wahrscheinlichkeit das reale ergebniss auch dort. wenn man dann noch davon ausgeht, das a) die befragungen nicht die tatsächliche wahlentscheidung, sondern eine aussage über eine zukünftig zu treffende wahl zum zeitpunkt x ist und b) in der einstellungsforschung recht gut gezeigt wurde, dass einstellung und handeln aber sowas von zwei paar schuh sind, dann kann man eigentlich nur dazu neigen zu sagen: shame on you! warum? naja, weil die wahlforscher politik machen wollen und politik zu einer art sportlichen wettkampf machen. es geht also nicht mehr um die richtigen, wahren oder guten inhalte, sondern lediglich nur noch darum die bessere umfrage oder zustimmung zu haben... da ist doch ein fehler im system, oder nicht? die presse spricht nicht mehr darüber ob ein parteiprogramm richtig oder falsch ist, wie sie es einschätzen, sondern nur noch ob es beim wähler anklang findet ... dadurch treibt man (und ganz klar die wahlforscher) die politik immer mehr dazu, sich anzubiedern, wahlgeschenke zu verteilen und oberflächlich zu argumentieren. diffamierung und polemik im wahlkampf hat auch viel damit zu tun, wie man in medial auswertet (-schlachtet) und dies tut man z.Z. stark über das mächtige instrument der umfrag. die wahlforscher tun ihr übriges dazu ... "herr bundeskanzler, müssten sie nicht hartz iv zurücknehmen, dass will doch keiner?" wenn g.s. hartz iv für richtig hält, dann darf er es auch nicht einfach zurücknehmen, dann muss er sich abwählen lassen... politik ist kein schönheitswettbewerb mit öffentlicher jury ..........

Bhaskar said...

du hast schon recht, daß durch das ständige schielen auf wählerumfragen die politik leidet, da nur noch auf gute umfrageergebnisse hingearbeitet wird. das ist wie in der wirtschaft, wenn nur auf den börsenkurs zum quartalsende geschaut und nicht langfristig geplant wird.

die demoskopen erklären ihre prognosen übrigens so:
Meinungsforscher erklären falsche Prognosen mit neuem Wählerverhalten

[11.51] Die führenden Meinungsforschungsinstitute haben ihre blamablen Umfrageergebnisse zur Bundestagswahl auf ein verändertes Wählerverhalten zurückgeführt. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) sagte heute in Berlin, die Bindungen des Wählers an die großen Parteien hätten stark nachgelassen. Die Frage der Koalitionstaktik spiele eine immer größere Rolle. Richard Hilmer (Infratest dimap) nannte als weiteren Grund die Diskrepanz zwischen Partei- und Kandidatenpräferenz.