Tuesday, September 27, 2005

moin

nun denn,
die sonne ist über owl heute faaantaaastisch aufgegangen ... man glaubt ja normalerweise nicht, dass hier die sonne aufgeht (im osten geht die sonne, aber wir sind ja eigentlich nicht im osten, sondern im westen, es heißt nur so ...)

ede stoiber will in der großen koalition ganz, ganz groß was reißen und ich zweifele über die mehrwertsteuererhöhung von fr. merkel ...

3 fragen:
1. es sollte doch prinzipiell egal sein, an welcher stelle der staat eine steuer erhebt, also ob direkt oder indirekt, dass sollte sich prinzipiell erstmal ausgleichen, oder nicht...d.h. es ist wurscht, ob ich weniger geld verdiene oder ob ich mehr ausgeben kann, dafür aber die preise höher sind (außer einem kleinen psychologischen effekt und dem menschlichen spartrieb)
2. für deutsche produkte und dienstleistungen könnte sich ja idealerweise ein effekt ergeben der so aussieht: mit den reduzierten lohnkosten sinken auch die kosten pro produkt, der endpreis sinkt und relativiert die erhöhte mehrwertsteuer ... auf jedenfall bei den personalintensiven produkten ...vor allem aber haben importierte produkte keinen vorteil, wenn man in deutschland die lohnnebenkosten senkt (eher im gegenteil) und trotzdem wird im handel der erhöhte mehrwertsteuersatz darauf gezahlt. für die jenigen, die also mit importeuren aus ländern mit niedrigen lohnnebenkosten auf dem deutschen markt konkurrieren ist das ein klarer vorteil. wie ist es andersherum, zahlen z.b. deutsche maschinenbauer die werkzeugmaschinen exportieren im endeffekt dieselbe "umsatzsteuer"? normalerweise doch nicht, oder? dann wäre es also auch ein ähnlicher vorteil für die exportwirtschaft.
3. stellen wir uns also vor, dass für das produzierende gewerbe es hier wirklich zu vorteilen kommen kann, wenn man mit ausländischen anbietern konkuriert (was ja im sinne einer konkurrenzfähigkeit von nationalen standorten sinnvoll ist) und die personalkosten wirklich entscheident für die produktkosten sind ... funktioniert der unter pkt. 1 beschriebene ausgleich zwischen direkter und indirekter besteuerung? soll heißen, 1. nutze ich als arbeitnehmer das gewonnene höhere einkommen um denselben oder einen höheren konsum zu betreiben (die endpreise steigen ja gleichzeitig) oder versuche ich noch mehr zu sparen (altersvorsorge, gesundheitsvorsorge ... etc.), daraus ergeben sich zwei weitere fragen: schaffe ich wirklich den gewollten ausgleich zwischen den beiden steuerarten auf der einnahmeseite des staates und grabe ich damit nicht zusätzlich den konsum ab. im schlimmsten fall sparen die leute noch mehr, es kommt zu steuerausfällen, weil die erhöhte mehrwertsteuer die gekürzten sozialabgaben nicht ersetzen kann und die konjunktur strauchelt noch mehr... damit wäre dann auch nach kurzer zeit der vorteil für die wirtschaft verblasen ...

2.... meine bescheidene nächste überlegung: eigentlich muss ich dafür sorgen, dass die leute a) real wirklich viel mehr geld in der tasche haben, dass sie für konsum ausgeben (vor allem bei den kleinen einkommen) und b) der wettbewerbsvorteil für die wirtschaft sollte so groß sein, dass sie nicht nur schnell mal den aktienkurs puschen, sondern wirklich anfangen wieder im großen stil zu expandieren ... daher könnte es doch vielleicht sinnvoll sein, die mehrwertsteuer sogar noch stärker zu erhöhen um bei den sozialabgaben einen größeren effekt zu erzielen, das verbunden z.b. mit einer sinnvollen verschiebung bei der einkommenssteur (senkung unten, leichte erhöhung oben, so dass es sich im endeffekt rechnet). man muss die menschen sozusagen davon überzeugen, die zusätzliche indirekte steuer auch angstfrei zu zahlen, weil gleichzeitig sich noch mehr bewegt. und übrigens, was ich mich schon die ganze zeit frage, was ist mit denjenigen, die zwar konsumieren (und damit mehrwertsteuer zahlen), aber keine sozialabgaben zahlen (arbeitslose, rentner, schüler, studenten, sozialhilfeempfänger), denen bringt die senkung dort gar nichts. und wenn 5 mio. arbeitslose, die sowieso das geld nicht mit vollen händen ausgeben, jetzt auch noch mal extra auf jeden euro schauen, kann das auch kein guter effekt für den konsum sein ...

mein problem ... ich versteh den strukturellen effekt, ich seh auch die vorteile, aber ich frage mich, wie man es realistisch durchführen kann, ohne massive umverteilung von denjenigen, die nur einen sehr geringen teil ihres einkommens für konsum ausgeben hin zu denjenigen, die fast 100% des einkommens aufwenden. es soll ja noch was für die vielen privaten vorsorgen übrig bleiben ....

na ja, über so was denke ich auf dem weg zur arbeit nach ...

3 comments:

scrooligan said...

ReMoin,

also... Die Umsatzsteuer wird auf Endprodukte im Inland erhoben. Das heißt, eine Erhöhung verteuert importierte Produkte und solche, die hier hergestellt und verkauft werden. Exporte sind davon befreit.

Dein Problem lässt sich nicht so einfach lösen. Die Umsatzsteuer trifft alle die konsumieren, also Leute, die mehr Anteile ihres Einkommens verkonsumieren, härter.
Man könnte die Umsatzsteuer mit einem progressiven Tarif ausgestalten (derzeit 2 Stufen: ermässigt und normal), dafür müsste man aber genauere Daten darüber haben, was welche Schichten konsumieren. Die Daten sind ziemlich uneinheitlich und schwer zu erheben. Verbilligt man z.B. Kleider, trifft das auch die haute coiture. Da Grenzen zu finden ist objektiv praktisch nicht möglich und lädt die Lobbyverbände geradezu ein, sich selbst billiger und die Konkurrenz teurer einstufen zu lassen.

Zu Deinen Fragen:

1. Die Art der Besteuerung ist nicht egal, da der 'kleine psychologische Effekt' ziemlich groß ist. Eine Einkommensteuererhöhung mindert den Konsum, eine -senkung steigert ihn aber kaum. Eine Umsatzsteuererhöhung kurbelt den Konsum kurzfristig an, danach sinkt er aber eher wieder auf das vorherige Niveau - die Menschen spüren Änderungen der USt praktisch nicht.

2. und 3. Eine Erhöhung der Umsatzsteuer zur Senkung der Lohnnebenksten verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft im In- und Ausland, d.h. die Produktion kann erhöht werden, um mehr im Inland und Ausland abzusetzen. Bezahlen tut das allerdings der deutsche Konsument. Damit das wirkt, muss die Erhöhung aber schon ordentlich sein. Das dürfte dann den Kosnum ärmerer Menschen doch deutlich bremsen. Ob der Effekt überwiegt, dass neue Arbeitsplätze den weggefallenen Konsum ersetzen oder ob der Konsum deutlich sinkt, so dass keine neuen Arbeitsplätze entstehen ist schwer abzuschätzen. Vermutlich aber ersteres, da USt-Änderungen wenig spürbar sind.
Der Ablauf des Szenarios ist dann folgender: USt-Erhöhung bei gleichzeitiger Senkung der Lohnnebenkosten (z.B. SV-Anteil der Unternehmen) -> Hamsterkäufe der deutschen Konsumenten bevor die Steuererhöhung wirksam wird -> entsprechender Konsumrückgang direkt danach & Unternehmen verkaufen im Ausland mehr und erhöhen die Auslastung (mehr Überstunden, noch keine Neueinstellungen) -> jetzt müssen wir den Strang teilen: In Märkten mit hohem Wettbewerb senken die Unternehmen die Preise, um die Preiserhöhung durch die neue USt zu kompensieren / die anderen Unternehmen tun nichts, ihre Endpreise steigen also um die neue Steuer -> nun finden einige Verschiebungen statt: Konsumenten kaufen eher Waren die nicht teurer geworden sind, hier gehen ein paar Arbeitsplätze verloren, dort werden welche gewonnen etc. & in der Exportwirtschaft werden Arbeitsplätze geschaffen -> allmählich normalisiert sich der Konsum wieder auf dem Niveau vor der Erhöhung (d.h. die Konsumenten geben jetzt mehr für Konsum aus und sparen weniger, um sich nicht einzuschränken [empirisch einigermaßen gut belegt]) -> da sich der Inlandskonsum hin zu mehr inländischen Produkten verschiebt (diese sind ja billiger geworden ggü. Importen), werden dort Leute eingestellt, ebenso weiterhin in der Exportindustrie -> der Gesamtkonsum steigt weiter -> bei der nächsten Lohnrunde wird der anfangs gewonnene Wettbewerbsvorteil zwischen Arbeit und Kapital aufgeteilt -> der Wettbewerbsvorteil sinkt um die Lohn- und Dividendensteigerungen (bereinigt um den Anteil, mit dem inländische Produkte gekauft werden.

Ungefähr so.

Zu deiner weiteren Überlegung: Der einzelne Konsument muss gar nicht mehr Geld haben - die Gesamtsumme des Konsums muss steigen. Im obigen Szenario wird das erst mal durch den höheren Export induziert und greift dann auf den Inlandskonsum über.
Der Ausgleich USt rauf und ESt runter klappt nicht, da die Leute Erhöhungen wichtiger nehmen als Senkungen. USt erhöhen und die positiven Effekte bewerben (von mir aus auch mit ESt-Senkung dazu) und zwar heftig bewerben ... should do the trick:-)

bart ab said...

gut, bleiben aber noch zwei, drei punkte... USt. noch stärker zu trennen halte ich mal nicht für sinnvoll, denn die mit geringem einkommen (annähernd 100% des einkommens für konsum) geben das auch für lebensmittel, miete, verkehr, energie aus und dabei bleibts ...
ein paar details:

"Der einzelne Konsument muss gar nicht mehr Geld haben - die Gesamtsumme des Konsums muss steigen. Im obigen Szenario wird das erst mal durch den höheren Export induziert und greift dann auf den Inlandskonsum über."

Ich denke, du kannst das so nicht einfach trennen ... wer heute über genügend mittel verfügt, der konsumiert, diese person wird auch bei gesteigertem wachstum und zusätzlichen jobs erstmal nicht mehr konsumieren. wer heute arbeitslos ist, der konsumiert gering, wenn er einen job bekommt, d.h. ggf. ein höheres einkommen erzielt, wird es das plus nicht direkt in den konsum geben. eine steigerung des gesamten konsums kann man m.e. nur erzielen, wenn die personen mit niedrigen und mittlern einkommen sich nicht mehr zurückhalten. das werden sie, wenn sie signifikant mehr geld über haben und neben dem konsum ihr sicherheitsbedürfniss erfüllen können.

"er Ausgleich USt rauf und ESt runter klappt nicht, da die Leute Erhöhungen wichtiger nehmen als Senkungen."

sehe ich bei einem 1 zu 1 verhältnis auch. wenn man konsum ankurbeln will, muss man insgesamt mehr geld dorthin bringen, wo konsum noch möglich ist. ich denke bei den sehr niedrigen einkommen ist das elementare bedürfnis nach bestimmten konsum (urlaub, kleidung, qualitativ bessere lebensmittel, neues auto, RECHNUNGEN bezahlen) noch sehr hoch und das spar bzw. sicherungsbedürfnis noch recht gering. hier könnte man also durchaus mit einer einkommenserhöhung einen effekt erzielen (auch psychologisch), wenn die personen real wirklich etwas bargeld erhalten, dass man an stellen wegnimmt, wo es definitiv nicht zum konsum gedacht war (hö, hö, hö reichensteuer oder auch einfach höherer spitzensteursatz...)

dann gehts du davon aus, dass eine USterhöhung (wahrscheinlich mit der damit verbundenen Lohnnebenkostensenkung???) zu einem ankurbeln des konsums führt, aber nur kurzfristig, die Est. senkung aber nur marginal wirkt... ich für meinen teil, kann mir gut vorstellen, das ein kurzer aber heftiger effekt ausreichen könnte um die wirtschaft insgesammt anzuschieben.
es ist ja sozusagen kapital im in- und ausland vorhanden, das gern investieren würde (sich mehren würde). die positiven effekte, die wachstum in deutschland auf europa und die usa hätte und gleichzeitig deren rückkopplung könnten ja das ihrige tun.
vielleicht ergibt sich durch ein wenig wachstum und ein bißchen geschicktes umschichten ohne zuviel zusätzlich auszugeben sogar die gelegenheit 2007 wieder ein wenig spielraum im haushalt zu haben um damit noch mehr wachstumsimpulse zu geben (ich mag ja auch den keynes, nicht nur die liberalen "g")

fazit:
1.mwst. rauf (notfalls erheblich), lohnnebnekosten runter
2. massive umverteilung als sozialer ausgleich und um konsum anzuregen wo möglich
3. den unternehmen arbeitsrechtlich einen kleinen schritt entgegenkommen (aber den kündigungsschutz nicht mittelfristig abschaffen...die betrieblichen bündnisse finde ich als konzept ganz nett)
4. bei erfolg richtig reinbuttern
5. wenns einigermaßen läuft schulden abbauen und großen staatsumbau fertig machen (den man natürlich vorher begonnen hat)
oder so ...?

scrooligan said...

Was meinst Du denn mit 'USt trennen'? Einen progressiven Tarif?

1. Butter bei die Fische:
Konsumausgaben privater Haushalte 2001 (Arbeitslose(r)): etwa 14% (185,- Euro) des HH-Einkommens wird für Freizeit, Unterhaltung, Kultur und Beherbergungs-/Gaststättendienstleistungen ausgegeben. Bei Nichterwerbstätigenhaushalten sind es 16% (266,- Euro) (VGR).
So arm sind die Armen in Deutschland nicht.

2. Die Sparquote (also der Teil des Volkseinkommens, der nicht konsumiert wird) steigt seit 2000 und war Ende 2004 bei etwa 11% angelangt. Nun sparen aber nicht alle gleich. Es gibt da eine eindeutige Korrelation von niedriegem Einkommen (wenig sparen bis entsparen) zu hohes Einkommen (viel sparen). Wenn Du einem Arbeitslosen Geld in die Hand drückst wird er das aller Voraussicht nach verkonsumieren. Dein bei den Leuten angenommenes Sicherheitsbedürfnis in allen Ehren, aber die Menschen scheinen eher kurzfristig orientiert.

Ich glaube auch, Du hast mich nicht verstanden. 'Nicht der einzelne Konsument muss mehr Geld haben, der Gesamtkonsum muss steigen.' Das bezog sich darauf, dass eine ESt-Senkung vielen Leuten gar nichts bringt. Deine Armen zahlen nämlich gar keine ESt. Die USt-Erhöhung trifft sie aber trotzdem. Werden nun Durch die USt-Erhöhung samt Lohnnebenkostensenkung Arbeitsplätze geschaffen, wird die Masse der Konsumenten erhöht (mehr Leute geben mehr Geld aus), während eine ESt-Senkung einigen Leuten mehr Geld gibt, dass nur zum Teil verkonsumiert wird.

3. Reichensteuer: Du unterschätzt die psychologische Komponente des Konsums. Leute, die ESt zahlen, haben genug Geld. Denen durch eine Steuerrefom noch mehr zu geben bringt dem Konsum kaum etwas. Lass die leute mehr verdienen, dann geben sie auch mehr aus, lass sie optimistischer werden, dann geben sie auch mehr aus. Aber eine ESt-Senkung bringt da fast nix. Selbst im untersten Einkommensquintil kommen 86% der Haushalte ohne Konsumkredite aus (SOEP2002). Die Leute geben schon gern Geld aus, aber auf Kante genäht sind die meisten privaten Haushalte nicht.
Ach so, Reichensteuer. Umverteilung ist Ok. Könnte die Mittelschicht verängstigen. Muss man vorsichtig sein.

4. Ein kurzer Konsumschub kann die Wirtschaft ankurbeln. Mein Szenario beschreibt genau das bis zum ersten Gefährdungspunkt. Das liegt aber nicht am Schub selber sondern an den Effekten, die ihn ausgelöst haben. Investoren sind nicht dumm.
Der Konsumschub kann ein Selbstläufer aus sich heraus werden. .. (Verstehe ich dich richtig: Konsumschub -> Nachfrage lockt Investoren an -> Arbeitsplätze entstehen?)
... Da kommt dann tatsächlich Keynes ins Spiel. Nämlich die Investitionsneigung (also der Optimismus der Investoren, ein Wert der auch viel mit Psychologie zu tun hat, schwer einzuschätzen ist). Ich sehe gerade, die Bruttoanlageinvestitionen steigen gerade. Vielleicht sind die Unternehmer tatsächlich optimistisch.

So, nun zu Deinem Fazit:
2. Massive Umverteilung wird die Investitionsneigung ebenso massiv sinken lassen. Mit massiven Steuererhöhungen bringst Du einen Aufschwung garantiert zum stehen. Im Aufschwung glauben Leute an eine bessere Zukunft. Diesen Glauben machst Du mit einer Steuererhöhung auf ihr gewünschtes zukünftiges Einkommen wieder zunichte -> Konsumneigung sinkt. Mach sowas sanft.

3. Kündigungsschutz: Sehe ich eh' nicht als ernstliches Wachstumshindernis.

4. Reinbuttern: Soll das deficit spending sein? Funktioniert nicht. einen anlaufenden Aufschwung mit staatlichen Ausgaben zu unterstützen führt zum sogenannten crowding out (Der Staat verschuldet sich stärker -> Kapital wird aus dem Kapitalmarkt abgezogen -> Zinsen steigen -> eigentlich rentable Investitionen unterbleiben). Zudem werden Arbeitskräfte für staatliche Aufträge abgezogen, die sonst vielleicht regulär unterkommen würden. Zumindest erzeugst Du Lohndruck nach oben (was im frühen Aufschwung noch zu früh ist).

5. Gefällt mir.

6. Du solltest mir einen Job als Wirtschaftspolitischer Berater anbieten. Dann klappt's auch mit dem Aufschwung;-)