Wednesday, December 14, 2005

verwischt eure spuren

heise meldet heute (via taxiblog)

EU-Parlament beschließt massive Überwachung der Telekommunikation

Wer in einem EU-Land Anrufe tätigt, E-Mails verschickt, im Web surft oder andere Dienste im Internet nutzt, muss in Zukunft davon ausgehen, dass seine elektronischen Spuren zwischen sechs und 24 Monate lang gespeichert werden.

also, seit vorsichtig und passt auf was ihr tut. aber ok, hier ist ja alles (noch) anonym....wie verschleiert man eigentlich die ip-adresse????

2 comments:

scrooligan said...

Ich weiß es, sage es Dir aber nicht:-)

Zum Thema Anonymität aber ein etwas längerer Text über Meinungsfreiheit und Pseudonyme/Anonymität im Netz:

From: tr@iworld.de (Thorsten Reinicke)
Newsgroups: de.rec.outdoors,de.soc.netzkultur.umgangsformen
Subject: Re: Realnamen im Usenet sind gefährlich!
Date: Tue, 29 Nov 2005 02:24:29 +0100
Message-ID: <1h6ncc4.1477qlv1s8aitcN%tr@iworld.de>

Chiap Zap (xxx) wrote:

> Weil es böse Menschen gibt, die kriminelle Taten an Dir begehen, wenn Du Dinge sagst, die ihren Interessen zuwiderlaufen, ...

Richtig, das *kann* tatsächlich geschehen.


> ... kann Meinungs- und Redefreiheit nur dann existieren, wenn der Sprechende vor den Kriminellen sicher ist.

Nochmals richtig. Der "Sprechende" benötigt also einen Schutz.

Dieser Schutz ist allerdings i.w. gegeben. Damit "kriminelle Taten" nicht geschehen und der "Sprechende vor den Kriminellen sicher ist", haben wir das Recht der freien Meinungsäußerung. Dieses wird vom Staat dem Individuum garantiert. Der Staat oder die Gesellschaft schützen das sich äußernde Individuum vor möglichen Angriffen wegen der Äußerungen. Kritik, Gegenargumente etc. im Rahmen einer Diskussion oder gesellschaftlichen Auseinandersetzung sind natürlich ausgenommen.


> Die meisten Menschen sind nicht in der Lage sich durch Mauern und Bodygards ausreichend zu schützen, um diese Sicherheit zu haben.

Und richtig zum Dritten. U.A. deswegen haben wir die Grundrechte, die den Einzelnen schützen. Sie gelten für *jeden*. Du solltest mal einen Blick hineinwerfen ...

Der Deal lautet in etwa wie folgt: Das Individuum gibt einen Teil seiner Souveränität an eine übergeordnete Institution, den Staat, ab, und erhält im Gegenzug umfassende Rechte und Freiheiten garantiert. Diese Form der "Säkularisierung" ermöglicht uns ein halbwegs friedliches Zusammenleben. Auch wenn es sicher nicht perfekt ist, so darf man doch annehmen, daß dies i.w. zum Vorteil Aller ist.


> Aber sie können eine gute Sicherheit dadurch erlangen, indem sie anonym oder unter einem Pseudonym auftreten.

Glücklicherweise ist das nicht mehr notwendig. Der Staat *garantiert* Dir das Recht und muß ggfls. dafür sorgen, daß es eingehalten wird. Die Menschen- und Grundrechte verschaffen Dir Freiräume. Du mußt Dich nicht mehr selbst darum kümmern oder gar darum kämpfen.

Daß sich nicht Wenige dessen nicht mehr bewußt sind, ist ein Zeichen für den vielbeklagten "Zerfall der Werte".


> Anonymität ist also eine Voraussetzung für die Meinungsfreiheit,

Das allerdings ist falsch. Du denkst nicht konsequent weiter, bzw. hast den Ursprung und Sinn der Menschen- und Grundrechte nicht erkannt und nicht verstanden. Ich muß im Folgenden etwas weiter ausholen ...

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Anonymität haben nichts miteinander zu tun, höchstens nur, daß Ersteres auch deswegen eingeführt wurde, damit Letztere nicht mehr erforderlich ist.

*Wer* redet frei?

Anonym war die "freie Meinungsäußerung" schon immer möglich, soweit denn entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung standen, z.B. das Flugblatt nach der Erfindung des Buchdrucks. Menschen ließen anonym ihre Meinung auf Flugblättern verbreiten. Die Inquisition war da seinerzeit relativ machtlos. Und da sie nicht wußte, wer sich hinter der Anonymität verbirgt, wurden kurzerhand die Leute verantwortlich gemacht, die die Flugblätter lasen. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei - zumindest in Europa.

Im Zuge der folgenden Aufklärung (Vernunft, Humanismus u.a.) steht der individuelle Mensch im Mittelpunkt. Die Menschen- und Bürgerrechte werden entwickelt und dem Individuum eingeräumt - u.a. auch das *Recht* auf freie Meinungsäußerung. Es ist von der reinen freien Meinungsäußerung zu unterscheiden. "Recht" bedeutet hier, daß dem Individuum keine Nachteile aus seiner Meinungsäußerung entstehen dürfen.
Zensur darf nicht ausgeübt werden. Das Individuum muß sich nicht mehr verstecken oder in die Anonymität flüchten, sondern erhält die Möglichkeit, nämlich das *Recht*, unbehelligt unter seinem Namen seine Meinung äußern zu können, ohne deswegen verfolgt zu werden.

Kurz: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Individuum und Identität sind untrennbar miteinander verknüpft.

Anonymität, die - heute - quasi freiwillig ihre Identität aufgegeben hat, benötigt kein *Recht* auf freie Meinungsäußerung. Denn diese Möglichkeit hat sie so oder so, eben weil sie anonym ist. Und wem sollte dieses Recht auch garantiert werden, wenn niemand weiß, wer sich hinter der Anonymität verbirgt?

Viele (politisch) Verfolgte kämpfen ja gerade darum, ihre Meinung nicht mehr anonym äußern zu müssen, sondern dies unter ihrem Namen tun zu können, ohne eben deswegen verfolgt zu werden.

Du magst ja Deine persönlichen Gründe haben, warum Du ein Pseudonym verwendest. Aber von Anderen das Gegenteil dessen zu fordern - nämlich die Verwendung eines Pseudonyms -, worum aufgeklärte Menschen in anderen nicht aufgeklärten Teilen der Welt tagtäglich kämpfen - nämlich die Verwendung ihres eigenen Namens -, ist geradezu antiaufklärerisch und finsterstes Mittelalter.

Die im Usenet übliche Empfehlung zur Verwendung des Realnamens ist durchaus richtig und angemessen. Immerhin leben wir im aufgeklärten Europa. Das Usenet folgt hier bester europäischer Tradition.

Es geht darum, zu sich selbst zu stehen, stehen zu können, und seine Gedanken frei und offen äußern zu können - selbstverständlich unter dem eigenen Namen und mit Respekt vor dem Anderen. Es ist eine Frage der *Kultur*.

Sollte es tatsächlich mit Nachteilen verbunden sein, seinen Namen zu nennen, so kann es nicht darum gehen, diesen zu verleugnen, sondern nur darum, eben die möglichen Nachteile zu beseitigen. Denn daß keine Nachteile eintreten (sollen), ist u.a. der Sinn der Menschen- und Grundrechte. Und der Staat ist verpflichtet, hier ggfls. - das Individuum schützend - einzugreifen.

Indem Du aber aus Angst vor Nachteilen unter Pseudonym postest, anerkennst Du letztlich die möglichen Nachteile. Du verzichtest auf Dein persönliches Recht, unter Deinem Namen Deine Meinung kundtun zu können. Du verhältst Dich damit im Sinne der Meinungsfreiheit als schädlich. Du solltest Dich mal ein wenig mit der *Aufklärung* beschäftigen, statt hier angstmacherisch und pseudoaufklärerisch Blödsinn zu verbreiten und womöglich gar Neulinge zu verwirren.

Die möglichen "Folgen", die Du nennst, nämlich Spam und Viren, sind schlichtweg lächerlich. Gegen Spam hilft ein guter Provider (Spamschutz) und gegen Viren ein gutes oder entsprechend konfiguriertes Betriebssystem. Ich bin seit 1998 fast täglich im Internet zugange, häufig auch im Usenet, selbstverständlich unter meinem Namen und mit obiger Mail-Adresse. Von Spams kriege ich praktisch nichts mit und Viren ... was ist das? ;-). Glaube mir das einfach.

Bleiben noch mögliche und weit ernstere Folgen wie denkbare berufliche Nachteile. Jemand könnte z.B. seinen Auftrag oder Job verlieren, weil er seine Meinung kundtut und dem Vertragspartner, Arbeitgeber oder Vorgesetzten diese Meinung nicht paßt. Und aus Angst um den Job tut man nun seine Meinung nicht kund, und wenn, dann nur anonym.

Dabei könnte ebensogut das Gegenteil der Fall sein: Man verliert seinen Job, eben *weil* man keine Position bezieht. Es könnte ebensogut sein, daß gerade diese spezielle eigene Haltung besonders gefragt ist. Es
könnte sein, daß man einen Job gewinnt, *weil* man seine Meinung unter seinem eigenen Namen veröffentlicht.

Und für Alles, was an möglichen Nachteilen darüberhinaus geht, z.B. eine reale Bedrohung an Leib und Leben im realen Leben, sind eh umgehend Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte zuständig.

Ich frage mich, welchen Wert ein Leben hat, in welchem ich nicht sagen kann, was ich denke, in dem ich nicht der sein kann, der ich bin. Wie befriedigend mag das wohl sein?

Stelle Dir vor, all die Journalisten, Autoren, Wissenschaftler, Künstler etc. würden ihre Meinungen und Erkenntnisse nur anonym veröffentlichen.
Was für eine Gesellschaft hätten wir? Da wäre einerseits die Menge der Gedanken, Meinungen und Erkenntnisse, des Geschriebenen und Gesagten. Aber niemand könnte irgendetwas davon irgendjemanden zuordnen. Es wäre eine Welt ohne innere Haltung, ohne Verantwortung, ohne Konsequenz. Es wäre der pure Horror. Jeder Diktator hätte ein leichtes Spiel - zum
Nachteil all der Meinungslosen.

Und wie sieht es bei Dir aus? Da ist einerseits der private Mensch, der irgendwo lebt, und der offiziell nicht im Usenet postet. Im Usenet jedoch gibt es den "Chiap Zap". Von dem weiß aber niemand, wer das eigentlich ist (ich tue mal so, als wärest Du nicht geoutet worden). Also ehrlich, diese Schizophrenie würde mich verrückt machen. Da bin ich wirklich froh und dankbar, daß es die Grundrechte gibt, die mich vor sowas schützen.

Und btw., da Du ein Argument in dieser Richtung nanntest: Kein Journalist, Autor, Publizist, Moderator etc. weiß, wer alles das von ihm Geschriebene oder Gesagte liest oder hört. Die senden ebenso ins Off, wie wir hier im Usenet. Und dennoch veröffentlichen sie unter ihrem eigenen Namen.

An dieser Stelle noch kurz ein Wort zur "informationellen Selbstbestimmung". Im Prinzip ist sie ja gut und richtig. Was soll / darf von mir bekannt werden? Wie dürfen die Informationen verwendet werden? Das soll selbstverständlich das Individuum bestimmen können.

Es ist allerdings auch vom sog. "Identitätsmanagement" die Rede, teils sogar seitens der Datenschützer. Es bedeutet u.a., daß man sich z.B. in verschiedenen Foren unterschiedliche Identitäten zulegen kann und wie man dann damit umgeht.

Wird hierdurch aber die Persönlichkeit gestärkt? Ich denke nein. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die individuelle einzigartige Persönlichkeit zerfällt in unterschiedliche Identitäten. Dadurch wird sie geschwächt.

Statt mit meinen Äußerungen, bin ich mit meinen unterschiedlichen Identitäten beschäftigt. Und äußere ich mich schließlich doch noch unter einer der frei gewählten Identitäten, hat es letztlich keine Konsequenz - siehe oben. Es ist deswegen belanglos.

Da lobe ich mir die Aufklärung. Ich denke, daß sie hier - seit Erfindung des Buchdrucks - sehr viel geleistet hat. Wir gehen nicht mehr unter in einer namenlosen Masse, sondern sind Individuen mit je eigenem Namen, denen Rechte und Freiheiten garantiert sind. Und unsere heutige Gesellschaft funktioniert, weil sie von vielen und mit Rechten ausgestatteten Individuen gestaltet wird.

Und diese Richtung, nämlich die Stärkung der einzigartigen Persönlichkeit, sollte ausgebaut werden, und nicht ihr Zerfall. Erforderlich sind gegenseitige Achtung und Respekt voreinander, eben die Menschenwürde. Jemanden, der sich hinter *irgendeiner* "Identität" versteckt, werde ich jedoch kaum Respekt entgegenbringen können. *Wem* sollte ich ihn auch entgegenbringen?

Die Frage kann also nicht lauten: Wie schützen wir uns im Internet?

Sie muß vielmehr lauten: Wie verschaffen wir den Menschen- und Grundrechten auch im Internet Geltung?

Durch Deine Rückgradlosigkeit, aus Angst vor möglichen Nachteilen Deinen eigenen Namen nicht zu nennen, verspielst Du leichtfertig all die Errungenschaften. Damit landen wir ruckzuck wieder im Mittelalter oder im Faschismus.

Aber möglicherweise ist genau das Dein Anliegen. Damit verhieltest Du Dich nicht nur schädlich, sondern hochgradig destruktiv. Und diese heimliche Freude an der Destruktion dürfte denn auch der eigentliche Grund sein, warum Du ein Pseudonym verwendest.

Dein Verhalten ist *keine* Bereicherung für diese Gruppe (de.rec.outdoors).

Grüße
TR

Bhaskar said...

ich weiß es auch :-)

und hast du dir mal die serverlogs angeschaut? so wirklich anonym ist das nicht unbedingt...