Thursday, May 04, 2006

eigentlich bin ich ja ein freund des hohlen satzes...

eigentlich bin ich ja ein freund des hohlen satzes, des irrsinnigen wortungetüms und der seifenblasigen sprach des nichts-sagens und trotzdem kann ich über diesen schönen kommentar zu einem beitrag von andrea "die sprecherin der spd-linken" (dann bin ich wohl auch der sprecher der spd-kais?) nahles über ... na ja alles und nichts:
hier der kommentar
hier der orginalbeitrag von a.n.

4 comments:

scrooligan said...

Moin,

ich fand den Kommentar ja noch unüberlegter als das Original.

Fangen wir doch mal an:

"Wie gerät ein Begriff in die Defensive?"

Simpel. Begriffe werden in Diskussionen oftmals einfach hingenommen - manchmal müssen sie aber auch verteidigt werden, wenn das Hinnehmen nicht mehr selbstverständlich geschieht.

Dann fragt er sich, wie man das SV-System als Zwangssystem brandmarken könnte, wo es doch eine Zwangsmitgliedschaft ist. Auch simpel: 'brandmarken' ist eine explizite Wertung. Auch das Leben ist erst einmal Zwang. Der Konsens belegt es aber positiv. Das der Herr 'Liberale' Pluralismus - dazu gehört die Wahl der eigenen Unfreiheiten, die in sozialen Gemeinschaften das Zusammenleben steuern - nicht besonders gut kennt, lässt für den Rest seiner Kommentare übles schwanen.

Was sind historische Errungenschaften 1. und 2. Ordnung? Nun, auch das ist simpel zu verstehen, sagt Frau Nahles sogar, dass dies ihre persönliche Meinung ist. Sie kann also wichtiges von unwichtigem unterscheiden. Liberal sein, heißt nicht, keine Meinung haben zu dürfen. Die muss man sogar haben, um andere akzeptieren zu können.

Dann fragt (fragt?) er sich, ob denn Globalisierung etc. pp. Schlagworte oder beobachtbare Phänomene seien. Die Antwort - von jedem intelligenten Lebewesen einfach zu geben: beides. Der Mann könnte sich mal mit Kommunikation beschäftigen, mit der politischen Rede und vielleicht auch noch mit dem Unterschied zwischen 'beobachtbaren Phänomenen' und deren Ideologisierung.

Naja, der Rest ist belangloses nit-Picking über ähnlich belanglose Sätze. Da haben sich wohl die richtigen zwei gefunden.

Die SV-Versicherungen in dem Zusammenhang allerdings zu ökonomischen Fragen zu stilisieren, zeugt von einer gesunden Unkenntnis der Ökonomie. Die Rahmenbedingungen des SV-Systems sind politisch festzulegen und rechtlich zu institutionalisieren. Die Ökonomie kann nur helfen, die gewählte Richtung effektiv zu gestalten.

Und zur Frage von Freiwilligkeit und Zwang: Da verweise ich mal lieber auf liberale Staats- bzw. Gesellschaftstheoretiker wie Locke etc. pp. Dann wird dem angeblichen Liberalen vielleicht klar, dass er seinen Freiheitsbegriff mit keiner einzigen Art des sozialen Zusammenlebens verbinden kann, ohne jede Bindung als Zwang zu brandmarken (sic!)
Oder anders: Wer Freiheit an der Wahl seiner SV-Versicherung festmacht, hat wohl auch an geistiger Freiheit nicht sehr viel zu verteidigen.

bart ab said...

juhu, es lebt! man muss nur mal ein wenig dumm-zeug verlinken und sie kommen aus ihren löchern gekrochen. schön von dir zu hören scrooligan...ich habe dich vermißt!!!

scrooligan said...

:-)
Ich bin so berechenbar.

Eine gute Freundin meinerseits hat ihre Abschlussarbeit geschrieben - wie sich das gehört in den letzten zwei Tagen ohne zu schlafen. Ich war also die letzten paar Wochen vollauf mit Kaffekochen, Aufmuntern und nebenbei Luhmann lesen beschäftigt.

Ich will aber auch noch einen hohlen Satz sagen: "Wir haben jetzt einen Notfallmanager vor Ort."
Gefallen am Dienstag, wenige Kilometer südlich von Lüneburg. Mein ICE hatte eine Vollbremsung hingelegt, etwa 20 BGSler waren aus dem Zug gestürmt und die erste Durchsage verhieß uns einen Polizeieinsatz und Verspätung auf unbestimmte Zeit. Nach 45 Minuten war dann der oben erwähnte Notfallmanager da und wir warteten auf einen neuen Lokführer (vermutlich weil die BGS den alten erschossen hatte). Nach weiteren 90 Minuten erklärte man uns dann, der Polizeieinsatz sei wegen eines Personenschadens erfolgt, der neue Lokführer jetzt da, dafür aber die Lok kaputt.
Letztlich fuhren wir dann in einem neuen Zug mit drei Stunden Verspätung weiter. Ein etwas verdrießlicher Schaffner gab mir einen Anschlusszug um vier Uhr früh ab Kassel (etwa sechs Stunden später als geplant) und der kasseler Fahrdienstleiter einen Taxigutschein über 240 Euro für mich und zwei Mitleidende.
Aber die Bahn verbindet - selten lernt man so viele verschiedene Menschen kennen. Und niemand möge behaupten, das soziale Netz sei in Gefahr: Da alle paar Minuten jemand seine Angehörigen anrief, hatten wir praktisch einen Liveticker für die an diesem Abend stattfindenden Fussballspiele. Damit war für die meisten meiner Mitreisenden der Abend eigentlich gerettet ...

Ach ja: Ich finde den Satz hohl, weil wir weder etwas über die Leistungen dieses Notfallmanagers zu hören bekommen haben, noch warum er eigentlich da sein musste - und nicht in einem schicken, gut vernetzten Büro. Aber immerhin war er da, der Notfallmanager.

bart ab said...

gratulation an die gute freundin (blond, juristin, rollenspielerin???)usw, usf.
thema bahn - ähnliche erfahrungen:
letztens, als zur kalten jahreszeit der winter über ems-, münster- und das ostwestfälische land blies und dabei den ein oder anderen strommast knickte, saß ich ihm zug von hamburg nach bielefeld. bis osnabrück war die welt in ordnung. dort angekommen wähnte ich mich im post-catrina-new-orleans, menschenmassen auf dem bahnsteig, jammernde greise, weinende kinder, tapfere männliche thirty-somethings, schreiende frauen: das ende der zivilisation - stromausfall, verkehrschaos, schnee, sturm und ein überlastetes handynetz (letzteres hat wohl den schwersten seelischen schaden verursacht). glückseeliger weise konnte ich nach drei stunden, kurz bevor osnabrück im dreiwöchigen chaos versank, mit einem letzten zug, der über eine autarke energieversorgung verfügte gen bielefeld reisen. klassischer kleiner regionalzug, zwei wagons, in der mitte ein aggregat und sieht aus wie eine zu große straßenbahn. wir reisen durch den teuto und bleiben im nichts stehen. in der ferne sieht man eine bundesstraße auf der sich gar nichts mehr rührt. dicke schneedecken auf den autos und lkws. die fahrer stehen rauchend am straßenrand.
zum glück funktionieren die handys!!!! es kommt partystimmung auf, man teilt das letzte butterbrot, organisiert mit wildfremden menschen potentielle autofahrten vom nächstgelegenen bahnhof, beruhigt blonde frauen in grauen kostümen kurz vor der menopause...die welt ist in ordnung, kurz bevor sie untergeht........das hat man ja letztens so plastisch im führerbunker gesehen.
servus