Monday, August 14, 2006

Eva Herman: Die Emanzipation – ein Irrtum?

Moin liebe Leute,

wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, hat Eva Herman im Cicero und einem eigenen Buch die Frage aufgeworfen, inwieweit Frauen sich denn selbst verwirklichen sollten und dürfen.
http://cicero.de/97.php?ress_id=7&item=1111

Meine Kommentare:

"Ziehen wir Bilanz nach fast einem halben Jahrhundert Feminismus und Frauenemanzipation. Es werden so viele Ehen geschieden wie noch nie zuvor. In immer weniger Haushalten wird regelmäßig oder gar zeitaufwändig gesund gekocht."

Beeindruckende Kausalkette: Gleichberechtigung -> schlechtes Essen.
Von mir aus lassen wir das mal so stehen.

"fehlender Bemutterung"

Ah, Kindererziehung ist also Frauenarbeit. Kochen und der Zusammenhalt der Ehe (s.o.) ja auch.

Halten wir also fest: Emanzipation -> schlechtes Essen, ungehörige Blagen und zerrüttete Familien. Da hat sie ja nicht unrecht. Da allen Leuten Karriere wichtig ist, leidet halt alles andere. Und wenn sie von der Überforderung der Frau spricht und steigenden Selbstmordraten, dann hat sie da auch recht. Das nähert sich der Lebenswirklichkeit der Männer an. Die sind im Berufsleben stark ge-/überfordert und bringen sich häufiger um. Aber warum es für Frauen eine Kuschelecke geben soll, ist mir unklar. Und wie sie zu der hirnrissigen Frage

"Haben berufstätige Frauen von heute – zu denen ich ja auch gehöre – wirklich das Recht auf unbegrenzte Selbstverwirklichung oder war die Emanzipation ein fataler Irrtum?"

kommt auch. Jeder der eine intakte Familie und einen treusorgenden Partner will bzw. das sein will, kann sich doch ein entsprechendes Gegenstück suchen. Wo ist denn da das Geschlechtsspezifische.

"Betrachten wir einmal den soziologischen und biologischen Kontext."

Als wäre der soziologische Kontext nicht durch Machtstrukuren geprägt. Von "schöpfungsgewollte[r]" "Gnade" kann da wohl keine Rede sein.

"Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil."

Autsch. Gut, das ist das herrschende und prägende Bild gewesen. Es gab aber auch immer Ausnahmen. Außerdem ist ihr Argument dann wohl: 'Das machen alle so, das haben wir schon immer so gemacht. Darum musst Du das auch machen.' Sehr schlüssig. Was ein Blödsinn.

"jene Gesetze, die das Überleben unserer menschlichen Spezies"

Bitte? Das ist ja eine krude Mischung aus kirchlichen Dogmen, totalitärer Überhöhung der Gemeinschaft und Argumentenaus dem Handbuch für Patriarchen. Oh je.

"Dabei sollten sich umgekehrt die so genannten Vorzeigefrauen zur Abwechslung auf den Prüfstand stellen und sich fragen lassen, welche Ziele sie eigentlich leiten. Die ehrliche Antwort wäre: Es sind Selbstgefälligkeit und Eitelkeit."

Äh, wie wir Männer? Oder ist das bei uns was anderes, wenn wir dieselben Ziele verfolgen?

"Wahrnehmung ihres Schöpfungsauftrages", "männlichen Berufswelt"

Blabla

"Wo sind sie jetzt, die Anführerinnen, die in den meisten Fällen selber niemals Kinder, geschweige denn Männer hatten? Sie wussten damals schon nicht, was das Glück bedeutet, ein Baby zu bekommen, einen liebenden Mann an der Seite zu haben und – manchmal unter größten Mühen – etwas zu erschaffen, was man den Familiensegen nennt."

Genau! Diesen Emanzen müsste man es doch nur mal richtig besorgen. Wenn die erst mal nen dicken Schwanz zwischen den Beinen haben, fangen die auch wieder an zu schnurren.

"Es geht mir nicht um schwärmerische Familienverklärung, ich will weder Abgründe verlogener Behaglichkeit beschwören noch alte Unterdrückungsmuster. Ich spreche von einer verlorenen Welt, die unseren Vorfahren jahrtausendelang Kraft und Halt gab, die Misserfolge und Enttäuschungen auffing und eine Quelle des Glücks sein konnte."

Eben: "konnte". Aber erstens nicht immer war und zweitens zu einem gehörigen Preis - nämlich all die "Abgründe verlogener Behaglichkeit" und "Unterdrückungsmuster", die sie nicht beschwören möchte und damit en passant unter den Tisch fallen lässt.

Als Meinung, intakte Familie sei etwas tolles, lasse ich das mal so durchgehen. Aber erstens ist die Begründung weit an jeder wissenschaftlichen Erkenntnis vorbei. Und zwitens ist der Versuch, _Frauen_und_Männer_ das _Recht_ auf einen anderen Weg abzusprechen schon weit von dem entfernt, was den liberalen Staat ausmacht, was die Verfassung als Quelle legislativer Möglichkeit (und auch als Quelle kodifizierter Moral) als möglich ansieht. Sogar die meisten Kirchen sind inzwischen weiter. Was ein Blödsinn.

so long
nic

3 comments:

bart ab said...

"Aufklärung ist der Ausgang des menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit" (I.Kant, deutscher Philosoph.....MANN)
Frau Herrmann oder Frausie wie man sie in emanzipierten Kreisen wohl nennen würde, hat sozusagen grobfahrlässig die europäische Moderne rückgängig gemacht. Frei nach Douglas "Come in, find out", hat sie beim Eintreten in die gute alte Zeit die RATIO abgegeben und sich somit ist finstere Mittelalter zurückamputiert.
Nun, was soll man da sagen? Also als Mann gibt es eigentlich nur eine ehrliche Antwort: "Weib, du hattest deine Chance"
//chauvimodusaus//

dieAversion said...

Nun gut, diese Frau ist grob polemisch, hat es mitunter versäumt, die eigenen Standpunkte auch nur ansatzweise zu hinterfragen, geschweige denn, nach Lücken in ihrer "Argumentation" zu suchen, und vertritt Ansichten, bei denen ich nicht umhin komme, den Kopf zu schütteln - und doch: irgendwo hat sie meine Sympathie: die Art und Weise, wie sie die öffentliche (linksintellektuell-bildungsbürgerliche) Entrüstung nicht nur provoziert, sondern auch geradezu berechnend heraufbeschworen und mit ihr gespielt hat, imponiert mir und weiß gewiss zu erheitern. Mag der Text auch noch so dünnbrettbohrerisch und sie noch so überzeugt von ihrem Werk sein - die Masse der Echauffierten mitsamt deren Warnungen vor dem Patriachat und ähnllichen Ungeheuerlichkeiten muss auch sie vorhergesehen haben. Und trotzdem hat sie's getan. Erinnert mich ein wenig an Walsers "Schlussstrich-Rede", mit der sich der Herr genauso berechnend ins öffentliche Abseits katpultierte - meine Hochachtung hat er sowohl für das bewusst inszenierte Eigentor, das er schoss, als auch für das Amüsement, die sich anschließenden und im Voraus gänzlich kalkulierbar gewesenen Reaktionen verfolgen zu dürfen... ganz so, wie im Falle Frau Hermans...

scrooligan said...

@dieaversion:

Touche. Aber man ist immer angreifbar, wenn man sich positioniert. Das geht ihr nicht anders als mir, wenn ich meinen Kommentar daneben setze.

Aus einer reinen Konsumentensicht ist die Schlacht natürlich als Event interessant, nicht die Ursache oder der Ausgang.

In dem Fall ging es mir aber um etwas, was mir wichtig ist. Denn wenn Frau Hermann so etwas denkt, soll sie das ruhig tun. Aber wenn sie es in einer politischen Zeitschrift tut, und normativ fordert, wird sie gefährlich für meine kleine Welt. Und da bin ich gern bereit, mich der Lächerlichkeit preiszugeben, und eine formidable Show für Passanten abzuliefern, wenn ich zugleich verhindere, dass andere ihre Argumente unwidersprochen stehen sehen.

Da bin ich Egoist.