Tuesday, September 27, 2005

Scrooligans Maßnahme 1: Innovationsoffensive

Maßnahme 1: Innovationsoffensive

Warum: Wettbewerbsfähigkeit verbessern und damit Arbeitsplätze ermöglichen.
Orientierung: mittelfristig.
Kosten: gering.
Umsetzungsschwierigkeiten: mittel.


a) Unternehmensgründungen erleichtern: Bürokratie vermindern, geringer Kündigungsschutz und geringe Auflagen solange das Unternehmen neu (nicht: klein) ist.

b) Unternehmensgründungen unterstützen: Ausweitung der Beratungsleistungen von Banken, Steuerberatern, Anwälten und Fachmanagern im Rahmen der bestehenden Gründungswettbewerbe.

c) Ideen fördern: Bereitstellung von Informationen zur Umsetzung in Produkte und Kontakte zu potentiellen Partnern bei einer Firmengründung. Förderung von Börsen zum Verkauf von Ideen beziehungsweise Lizenzen.

d) Risikokapital bereitstellen: Staatliche Bürgschaften für Gründerkredite, einfache Förderprogramme, Steuervorteile bei Reinvestition von Gewinnen.

e) Entstigmatisierung des Scheiterns: Insolvenzrecht muss die Gründer schnell entschulden, Neugründungen auch von bislang Gescheiterten ermöglichen, PR zur Höherbewertung des Versuchs über den Erfolg.

OK, also was soll das?

A. Länder bilden Schwerpunkte in Wirtschaftsstruktur

Betrachten wir die am Welthandel beteiligten Länder mit der Brille des Ökonomen, stellen wir fest, dass einzelne Länder bestimmte Vorteile gegenüber anderen Ländern haben. Ein Land mit niedrigen Lohnkosten zieht Unternehmen an, die viele Menschen brauchen, um zu produzieren - z.B. Textilindustrie, Schiffsbau, Stahlerzeugung -, Länder mit vielen Bodenschätzen oder besonderem Klima konzentrieren sich auf den Abbau oder die Landwirtschaft - z.B. Saudi Arabien, Nigeria, Lateinamerika. Länder mit gut ausgebildeten Arbeitskräften stellen meist technisch anspruchsvolle Produkte her.

B. Dynamische Betrachtung: Der Lebenszyklus

Soviel zur statischen Betrachtung des Jetzt-Zustandes. Blickt etwas zurück, kann man feststellen, dass einzelne Länder sich entwickeln: Sie fangen mit der Produktion von arbeitsintensiven Gütern an, bilden ihre Bevölkerung besser aus und stellen kompliziertere Produkte her, die sich teurer verkaufen lassen.
Die Zunft der Ökonomen nennt das Ganze Lebenszyklus. Im besten Fall rücken Staaten darauf vor und andere Staaten nehmen deren alten Platz ein. Im nicht so guten Fall fallen Staaten zurück. Ein Beispiel: Deutschland war Anfang des letzten Jahrhundertsein führender Staat in der Stahlerzeugung (damals sehr technologieintensiv). Die Technik wurde ausgereifter, reine Arbeitskraft wurde wichtiger als Ingenieurs- und Facharbeiterwissen. Die deutschen Löhne waren aber zu hoch, um mit einfachen Arbeitern billig Stahl produzieren zu können. Andere Staaten - mit geringen Lohnkosten und dem nötigen Know-how - stiegen in die Stahlproduktion ein, Deutschland langsam aus. Inzwischen sind weitere Generationen von Stahlerzeugerstaaten - Russland, die Tiger in Südostasien - dabei den Stahl gegen anspruchsvollere Güter auszutauschen - Maschinen, Mikroelektronik - und China steigt groß ein.
Der Punkt ist, dass Deutschland mit China nicht um die Stahlerzeugung konkurrieren kann. Die Löhne in China sind so gering, dass der Lebensstandard hier massiv sinken müsste, um konkurrenzfähig zu werden. Da aber immer weitere Staaten nachrücken, kann die BRD technologisch nicht stehen bleiben, sondern muss der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein. Das heißt, Technologien müssen entwickelt und in Produkte umgesetzt werden. Diese können teuer - da niemand sie kopieren kann - verkauft werden, wodurch die hohen Löhne gehalten werden können.

C. Innovationen als Wettbewerbsvorteil

Wie kommt man nun an neue Ideen?
Ökonomen gliedern den Innovationsprozess in vier Phasen:

1. Invention (Erfindung, Entdeckung),
2. Innovation im engeren Sinne (Markteinführung eines Produktes),
3. Diffusion (Verbreitung des Produktes),
4. Imitation (billigere oder bessere Klone treten auf)

Damit ist die Innovation für die gesamte Gesellschaft wirksam geworden und fruchtbar für andere Unternehmen.
Je reibungsloser dieser Prozess abläuft, desto besser für die Gesellschaft. Einen Wettbewerbsvorteil hat eine Volkswirtschaft allerdings nur, wenn ihre Produkte billiger oder besser sind. Um den hiesigen Lebensstandard zu halten, besser dem billiger überlegen. Da Wissen aber nicht ewig monopolisiert werden kann, können andere Staaten mit günstigeren Arbeitskräften und ähnlicher technischer Ausstattung bald in Konkurrenz zum Innovator treten. Zu diesem Zeitpunkt muss das alte Produkt schon in einer besseren Version vorliegen oder ein ganz neues Produkt zur Marktreife entwickelt sein, um die hohen Löhne gegenüber dem Imitator zu rechtfertigen.

2 comments:

bart ab said...

verdammt noch mal bürger! sei jetzt endlich kreativ!!!
mmh, kann man innovation verordnen? ich denke man kann da ein wenig dran schrauben und die rahmenbedingungen wirklich verbessern, aber ...
1. these: bildung, ausbildung ist eine ganz tolle sache funktioniert aber nur in großen zyklen, außerdem kostet sowas immer wieder neues geld. sollte man aber auf jedenfall wieder mächtig verstärken.
2. interessante innovationen mit weitblick fördern: z.b. engergieumbau, materialtechnik etc., da könnte man mal große programme auflegen und hoffen das was verwertbares abfällt
3. wie ist es innovative techniken in deutschland nicht immer positiv steuerlich zu fördern, sondern eher veraltete techniken negativ zu sanktionieren und so den druck auf unternehmen innovativ mit den neuen lagen umzugehen zu erhöhen??
??????????????
Innovation hört sich auch irgendwie toll an, aber ich glaube ein zweites problem sollte man auch sehen, f&e braucht gute qualifikation und so, aber die produktion selbst ist meist banal (bwz. nicht mehr ganz so anspruchsvoll), wer sagt, dass forschung zwar hier läuft, aber die wachstums-produktion ausgelagert wird....

scrooligan said...

1. Bildung kommt in meiner 2. Maßnahme dran - Morgen früh, denke ich mal. Ich muss das ja auch erst mal schreiben:-))

2. Forschungsprogramme sind nett - sind halt ein Glücksspiel: entweder man gewinnt eine nette Technologie oder versenkt ziemlich viel Geld. Vorher weiß man das ja leider nicht.

3. Alte Technologien zu bestrafen beschleunigt zwar den Wandel, es bleiben aber mehr Leute mit den falschen Qualifikationen auf der Strecke - unnötigerweise, wenn die Firmen im status quo doch Gewinne machen (das wäre ein Tausch sicherer Gewinne jetzt gegen eventuelle Gewinne in der Zukunft - da gewinnt meist das Jetzt).

4. Die Produktion neuer Güter wird sicher häufig ins Ausland verlegt. Aber erstens gibt es dennoch Lizenzzahlungen oder Gewinne, die nach Deutschland fließen. Zweitens mag die Produktion zwar oft banal sein, die notwendigen Maschinen sind es aber nicht immer. Deren Produktion bleibt oft im Inland, da in den Werkzeugen häufig das tatsächliche Know-how der Erfindung steckt (d.h. die Erfindung ist banal, aber kaum jemand kann das zur Produktion notwendige Know-how sofort reproduzieren [das steckt in den Ingenieuren der hiesigen FuE-Abteilung] - wenn das pasiert braucht man eine neue Erfindung oder gute Patentanwälte).

Ach ja, Kreativität kann man zwar nicht verordnen, aber fördern. Darum war die Orientierung auch mittelfristig und wird bei meiner zweiten Maßnahme langfristig sein.

Du hattest ja nach Vorschlägen gefragt, nicht nach Sofortrettungsmaßnahmen;-)